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Gut vernetzt 1/2017

Auf möglichst direktem Weg

In seinem Sport hat Daniel Hubmann aus Eschlikon schon alles gewonnen, was zu gewinnen ist. Ziel im Orientierungslauf ist es, die auf einer Karte eingetragenen Posten möglichst schnell abzulaufen. Die Herausforderung besteht darin, den schnellsten Weg zu finden. Doch der ist nicht immer der Kürzeste.Dank seiner zahlreichen grossen Erfolge kann Daniel Hubmann von seinem Sport leben. Er ist Profi, der einzige OL-Profi im Land. Er trainiert viel zusammen mit seinem Bruder Martin, der ebenfalls sehr erfolgreich Orientierungslauf (OL) betreibt. Wie trainiert man das? «Ich laufe viel, 10 bis 15 Kilometer am Tag, manchmal zweimal täglich.» – Das Lauftraining leuchtet ein, aber der Kartenteil? – «Erfahrung und Übung. Ich merke mir jeweils einen Punkt und versuche, möglichst schnell dorthin zu gelangen.» Wenn Daniel Hubmann sagt, er kenne viele Wälder, so glaubt man ihm das! Was ist zielführender, einfach schnell nach Gefühl zu laufen oder sich Zeit für ein genaues Kartenstudium zu nehmen? «Kartenlesen muss man im Lauf», klärt der Profi auf, «ob geradeaus und viel Höhendifferenz oder aussen herum, dafür flach – solche Entscheidungen müssen jeweils schnell gefällt werden. Das ist Routine.» Der Vergleich mit Autofahren fällt. «Blinker, Scheibenwischer, Licht – das sitzt auch alles mit der Routine. Dazu hilft das Bauchgefühl, die Gewissheit, gut vorbereitet zu sein.»

«Umwege können unter Umständen zielführender sein.»

Zur Vorbereitung von Grossanlässen gehört für ihn, den Austragungsort schon bis zu einem Jahr vorher zu bereisen, um die Charakteristik der Landschaft kennenzulernen. «Ein Wald ist nicht einfach ein Wald», sagt Daniel Hubmann. Natürlich informieren sich OL-Läuferinnen und -Läufer auch mittels Luftaufnahmen über das Terrain, nutzen auch gerne Google Street View, um sich auf einen City-Sprint einzustimmen.

Im Wettkampf zählt jede Sekunde.

Die Digitalisierung ist also auch im Orientierungslauf angekommen. Daniel Hubmann stimmt zu und vergleicht mit seinen Anfangsjahren Mitte der Neunzigerjahre: «Während man heute unverzüglich nach dem Wettkampf seine Rangierung kennt, erfuhr man dies früher nicht selten Tage später per Post», erzählt er. «Die Nachkontrolle, ob denn auch alle Posten durchlaufen wurden, beanspruchte Zeit.» Damals knipste man noch mit Lochzangen. Diese Zangen wurden bei Spitzensportanlässen schon vor Jahren durch eine elektronische Lösung mit Chips abgelöst. Die Posten und die Chips der Sportler sind mit der Zentrale vernetzt. Dank GPS-Signalen kann die Position der Läufer jederzeit verfolgt werden. Die Einführung dieser Technik hat die Publikumswirksamkeit des OL-Sports auf einen Schlag gesteigert. Sich bewegende Punkte auf Karten geben in Fernsehübertragungen oder Internetstreams Auskunft über den aktuellen Stand des Wettbewerbs. Die Spannung ist so um einiges höher, als wenn man nur ab und zu Durchläufe im Start-Ziel-Gelände zu sehen bekommt. Bei Grossanlässen und vor allem in Skandinavien, wo dieser Sport weit verbreitet ist, ist diese Infrastruktur Stand der Technik. Hubmann: «Dank Live-Ortung via GPS sehen Zuschauer Fehlrichtungen der Läufer, bevor diese es selber bemerken! Und Fehler sind für Zuschauer bekanntlich in jeder Sportart ein, wenn nicht das unterhaltendste Element. Das sieht auch Daniel Hubmann so. «Für uns sind genau solche Situationen, wenn uns ein Fehlentscheid bewusst wird, der härteste Moment in einem Wettkampf. Wenn sich der gewählte Weg als falsch herausstellt, darf man nicht lange grübeln, sondern muss nach vorne schauen.»

Daniel Hubmann kennt die Wälder Europas.

Der Orientierungsläufer ist ein Einzelkämpfer.  Die Möglichkeit eines Zwischenvergleichs mit den Konkurrenten gibt es nicht. «Ein eigener Zeitverlust kann jederzeit durch einen Fehler eines Gegners kompensiert werden. Am Ende können die Zeitdifferenzen sehr knapp sein.» So hätten ihn neun Zehntelsekunden einmal von einem Titelsieg getrennt, erwähnt Hubmann. Die könne man sehr schnell verlieren, z.B. wenn man unmittelbar bei einem Posten angekommen ist, diesen aber trotzdem nicht findet. «So habe ich auch schon vier Minuten mit der Detailsuche verloren.»
Dass man dereinst mit Tablets statt Papierkarten die Posten abläuft, ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Für Daniel Hubmann liegt darin der Vorteil, dass sich Kartenausschnitte verschieben und beliebig gross darstellen lassen. Letzteres kommt vor allem Sehbeeinträchtigten, darunter viele Senioren, zugute. Dass man aber in Zukunft mit einem Smartphone als Navigationshilfe durch Wälder rennt, ist für Hubmann ausgeschlossen. «Die Karte an sich sollte nicht verschwinden,» sagt er.
Was war denn sein prägendstes Erlebnis bisher? «Sicher mein erster Weltmeistertitel im Jahr 2008», lautet die rasche Antwort. «Ein Kindheitstraum ging damit in Erfüllung.» Emotionaler seien negative Ereignisse. 2012 riss ihm die Achillessehne. «Ich hatte Angst ein Jahr zu verlieren. Im Nachhinein hatte das vielleicht auch seine guten Seiten. Ich war gezwungen, neue Wege zu finden.» Schon wieder das Stichwort Weg. Das Gespräch geht ins Philosophische. Der Weg ist das Ziel. Und manchmal bringt einen ein Umweg schneller dorthin. Wie sagte doch Thomas Edison nach dem tausendsten und endlich gelungenen Versuch, eine marktreife Glühbirne zu entwickeln? «Ich kenne jetzt 999 Wege, wie die Glühbirne nicht funktioniert.»
Ist der direkte Weg doch nicht immer der schnellste? «Umwege können unter Umständen zielführender sein. Die Kernleistung eines OL-Läufers ist es also, richtige Entscheidungen möglichst schnell zu treffen. Hilft diese Fähigkeit auch im Alltag? «Ich verlaufe mich selten», lacht Daniel Hubmann. Auch wenn man deswegen im Privatleben nicht automatisch immer die richtigen Entscheidungen trifft, wie er sagt, wäre es doch allgemein vorstellbar, dass die Eigenschaften eines Orientierungsläufers in der Unternehmensführung von Vorteil sind. Eine Analogie zu Thurcom liegt nahe: Leitungen, direkte Wege, schnelle Signale ...
Obwohl er mit seinen 33 Jahren zu den älteren im Feld gehört, denkt Daniel Hubmann noch lange nicht ans Aufhören. «Die Freude ist noch da», sagt der Familienvater. Auch wenn man mit OL-Sport nicht reich wird. Preisgelder alleine reichen nicht zum Leben. So ist auch Daniel Hubmann auf Auftritte neben den Wettkämpfen und auf Sponsoren angewiesen. Gibt es denn für einen 23-fachen WM-Medaillengewinner noch Ziele? «Ja schon. Jeder gefundene Posten erzeugt ein Glücksgefühl.» Das klingt bescheiden. Reizvoll findet er auch, immer wieder neue Länder und Landschaften kennenzulernen. «Wir haben jedes Jahr Weltmeisterschaften, dieses Jahr in Estland, vom 30. Juni bis 7. Juli.

Der 6-fache Weltmeister denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Goldiger Jahresstart: Am Mediterranean Open Championship Orienteering 2017.

Daniel Hubmann

Heimat: Eschlikon (TG)
Geburtsdatum: 16. April 1983
Erlernter Beruf: Schreiner, Trainer
Familie: verheiratet, 1 Tochter
Hobbys: Pilze sammeln, Fischen, Holzfällen
Verein: OL Regio Wil
Grösste Erfolge:
–    6-facher Weltmeister
–    6-facher Gesamtweltcupsieger
–    4-facher Europameister
–    28 Weltcupsiege
–    27-facher Schweizer Meister
–    weitere 19 internationale Titelgewinne

Mitmachen

Die Altersspanne unter den OL-Läuferinnen und -Läufern reicht von fünf bis 80 Jahren. Interessierte sind im Verein OL Regio Wil, welchem auch Daniel Hubmann angehört, jederzeit willkommen. Jeweils am Mittwochnachmittag trifft sich der Nachwuchs ab 10 Jahren zum Training. Kinder und Jugendliche können die verschiedenen OL-Themen gezielt trainieren mit dem Ziel, nach kurzer Zeit selbstst ändig an einem offiziellen OL starten können. Die nächsten Anfängerkurse starten im April.

www.olregiowil.ch 

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