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Gut vernetzt 2/2018

Filmrollen sind von gestern

Felicitas Zehner vom Cinewil. Wie funktioniert ein Kinobetrieb in der heutigen Digitalisierung? Wie sieht man bei Cinewil die Zukunft des Kinos im Zeitalter von zeitlich unabhängigem Fernsehen wie Thurcom-TV 4.0? «Vernetzt» sprach mit der Geschäftsführerin, Felicitas Zehnder.Kinobetreiberin klingt wie ein Traumberuf. «Ist es für mich auch», sagt Felicitas Zehnder. Sie schildert ihren Arbeitsalltag. Sie erzählt davon, wie sie Filme aussucht, die sie vorher natürlich sehen «muss» und wie sie diese dann programmiert. Auch sie sitzt oft im Büro und erledigt Administratives. Abends begrüsst sie die Gäste in der «Movie Bar» oder spielt auch einmal selber die Filme ab. Wenn man ihr so zuhört, spürt man: Sie arbeitet mit Herzblut. Felicitas Zehnder ist in die Kinowelt hineingewachsen. Seit bald 20 Jahren arbeitet die 48-Jährige im Familienbetrieb, also seit das Cinewil steht. Davor führte die Familie seit 1989 die beiden inzwischen abgerissenen Wiler Kinos Apollo und Scala. Obwohl das Kinogeschäft schon früh ihr Interesse geweckt habe, sei sie froh, in ihrer Ausbildung auch einen Master of Science in Marketing erworben zu haben, sagt sie. «Dieser hat mir in vielen Dingen viel gebracht.»

Das Cinewil befindet sich im Stadtsaalgebäude am Bahnhofplatz von Wil. Es umfasst vier verschieden grosse Säle mit total 700 Sitzen. Dazu Theken für Kasse, Getränke und Imbiss sowie die stilvolle «Movie Bar» mit Bildern alter Hollywoodgrössen an der Wand. Die Technik ist auf dem neusten Stand.

Anstatt wie früher in Rollen werden Filme heute digital angeliefert, d. h. sie werden vom Verleiher direkt auf die Festplatte des Kinos übermittelt. Dafür hat sich Cinewil von Thurcom eine Leitung mit einer Kapazität von 1 Gbit/s einrichten lassen. «Die Digitalisierung hat viel verändert», erzählt Felicitas Zehnder. «Früher war ein Filmvorführer ein Mechaniker, der neben Schneidearbeiten auch den Projektor warten musste.» Für sie hätte sich der Kinobetrieb vereinfacht, denn nun sei die Personaleinteilung wesentlich flexibler. Wer nun aber denkt, ein Betrieb wie das Cinewil komme mit wenig Personal aus, irrt. 44 Mitarbeitende teilen sich 1800 Stellenprozente. Geleitet wird er von drei Frauen. Neben Geschäftsführerin Felicitas Zehnder sind dies Melanie Peer für den Bereich Café und Bar und Petra Somple, die sich um den Kinobetrieb kümmert.

Am alljährlichen «Sunset-Filmfestival» lassen sich Filme auch vom Strandkorb aus geniessen.

Die Filmauswahl ist meistens Chefin-Sache. Im Durchschnitt starten pro Woche drei Filme, sagt sie. Rund 80 Prozent sind Hollywood-Produktionen. Während bei Blockbustern klar ist, dass sie ins Programm aufgenommen werden, ist die Auswahl von Studiofilmen aufwendiger. Die meisten geht Zehnder jeweils vorher beim Schweizer Verleiher visionieren. «Da kann es auch einmal sein, dass ich einen Film bereits nach zehn Minuten wieder verlasse», sagt sie.

Die Verantwortung ist gross, muss sie doch den Publikumsgeschmack kennen, oder? Sie verweist auf ihre Erfahrung und erwähnt die Vorteile als unabhängige Kinobetreiberin: «Wir kennen unsere Kunden, viele auch mit Namen. Wir scheuen uns nicht, unsere Stammkunden konkret zu fragen, ob wir einen Film aufnehmen sollen. Von den Eintrittseinnahmen gehen 50 Prozent an die Verleiher», erklärt sie. «Das Risiko für einen Fehleinkauf ist somit geteilt.» Die Technik lässt es auch zu, dass Filme, die nicht von den grossen Verleihern angeliefert werden, abspielbar sind, wie z. B. die beliebten Produktionen des Wattwilers Thomas Rickenmann. «Wir bekommen eigentlich alle Filme, die wir bestellen», sagt sie. Dies ist ein weiterer Vorteil der Digitalisierung, denn zu Zeiten der Zelluloid-Rollen war die Anzahl der Kopien begrenzt. Kleinere Kinobetreiber erhielten manche Tonfilme jeweils erst, nachdem sie in den grossen Städten gezeigt worden waren.

Events sind ein weiteres Standbein des Cinewil geworden. «Wir führen Kindergeburtstage durch oder inszenieren auf Wunsch auch gern Hochzeitstage.» Gerade für Letzteres wird ab und zu ein Saal für eine Privatvorführung von z. B. «Pretty Woman» zu zweit gebucht. Beliebt sind auch spezielle Kinoabende wie «Ladies’ Nights», Lesungen, Regisseur-Besuche oder die Live-Übertragungen vom Royal Opera House London.

Süsse Leckereien sind wie Popcorn nicht aus dem Kino wegzudenken. Auch Felicitas Zehnder liebt sie.

Bleibt ihr denn da noch Zeit und Lust für Fernsehen? Anscheinend schon, denn Felicitas Zehnder ist bekennender «Tatort»-Fan und schaut ab und zu etwas von Netflix. Weil sie oft abends arbeitet, ist sie froh, dass es die Replay-Funktion von Thurcom-TV 4.0 gibt. «Es kommt oft vor, dass sich zwischen meinen Einsätzen hier eine längere Pause ergibt, dann kann ich nachholen, was ich verpasst habe.»

Der Wochenplan im Kino ist klar eingeteilt: Die neuen Filme starten jeweils donnerstags. Am Montag wird eingekauft. «Die Trailer stellen wir jeweils selber zusammen», erzählt sie und schiebt gleich passend eine Anekdote ein. «Mir ist einmal etwas ziemlich Ungeschicktes passiert, als ich bei einem Kinderfilm aus Versehen den Trailer zu ‹Der Exorzist› reinschnitt.» Die Folge seien geschockte Eltern, verwunderte Kinder und ein leerer Saal gewesen.

Die Werbung, ein nicht unwesentlicher Einnahmefaktor für einen Kinobetrieb, wird komplett vom Werbevermarkter angeliefert, ebenfalls digital. Nur die regionale Werbung wird noch selber zusammengestellt. Diese wird nach wie vor sehr geschätzt, freut sie sich, denn die Beachtung ist doch sehr hoch.

 

«Kino ist nur im Kino Kino.»
Felicitas Zehnder

Ob sie denn keine Angst hat, dass Streaming-Dienste das Kino ganz verdrängen? «Nein», meint sie. «Wir bieten ja ein Gesamterlebnis. Früher kamen zwar hauptsächlich Jugendliche von 15 bis 24 Jahren. Heute finden sich zunehmend auch Rentner und – wegen der vielen Animationsfilme – immer mehr Familien im Cinewil.» Mit der Auslastung ist sie sehr zufrieden, wenn sie auch hin und wieder recht schwankt. Solche Schwankungen beunruhigen die Geschäftsführerin jedoch nicht. Die Besucherzahlen hängen schliesslich vom Filmangebot ab. Und obwohl sich Jugendliche heute auch Filme auf Tablets oder Smartphones anschauen, kommen sie gerne ins Kino – wegen der Soundanlage.  Der Einbau des 360-Grad-«Dolby-Atmos»-Soundsystems habe sich bezahlt gemacht.

«Im Kino trifft man Freunde und geniesst den Film zusammen. Danach tauscht man sich in der ‹Movie Bar› aus.»  In Letztere wird Cinewil investieren. Nächsten Frühling startet der Bau eines Glaskubus vor dem Eingang. Eröffnet wird dieser auf den Start des nächsten James-Bond-Films im November 2019. Das Kino wurde zwar schon mit dem Start des Fernsehens totgesagt. Es wird weiterleben, denn, so Felicitas Zehnder: «Kino ist nur im Kino Kino.»

 

Dank modernster Digitaltechnik, Internet und schneller Glasfaserleitung bekommt Felicitas Zehnder für ihr Cinewil jeden Film, den sie zeigen möchte.

Zahlen

Filme pro Woche: 14
Mitarbeitende: 44
Besucher pro Jahr: ca. 133’000
Popcornbedarf pro Jahr: 2,2 Tonnen
Datentransfer pro Jahr: 109 TB

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