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Gut vernetzt 1/2019

Die Mischung machts

Ruedi Lieberherr von der Morga AG Wie kommen die Morga-Produkte von Ebnat-Kappel in Schweizer und ausländische Läden? Wie erkennt man einen Nahrungstrend früh genug? Und wo gibt es noch «gute Rohstoffe»? «Vernetzt» hat diese Fragen dem Morga-Geschäftsführer Ruedi Lieberherr gestellt.Eine Führung durch die Produktionsräume der Morga AG ist ein Geruchserlebnis. Hinter jeder Schwenktüre aus fingerdicken Plastikvorhängen erklingt eine neue Geruchssymphonie. Manchmal errät der Besucher sofort, was hier abgepackt wird. Besonders leicht fällt das Raten im Tee-Stockwerk. Der Kräuterduft ist unverkennbar. Geschäftsführer Ruedi Lieberherr fängt einen Pyramidenbeutel auf, der gerade vom Fliessband purzelt. «Das ist ein eher neuer Trend. Der Beutel ist aus Nylon. Der Vorteil dieser Form ist, dass die Kräuter etwas grober gehackt werden können», erklärt er. Und fügt mit typischem Halblächeln an: «Und sie sind einfach herzig.»

Ruedi Lieberherr zeigt den Besuchern Schwarzweiss-Fotografien aus Indien. Sie wurden von seinem Grossvater, Ernst Lieberherr, während seines Aufenthalts in Indien ab dem Jahr 1910 aufgenommen und hängen nun in der Morga AG.Tee ist eines der ältesten Produkte der Morga AG. Ruedi Lieberherrs Grossvater hatte das Heissgetränk von Indien ins Toggenburg und die Schweiz gebracht. Er war damals für das Handelshaus Gebrüder Volkart aus Winterthur tätig und wollte sich nach England versetzen lassen. «Sein Plan war, Englisch zu lernen. Weil das Unternehmen dort aber keine Stelle frei hatte, boten sie ihm an, nach Indien zu reisen», erzählt Ruedi Lieberherr. Zehn Tage später war Ernst Lieberherr unterwegs. Das war im Jahr 1910. In Indien lernte er eine ganz neue Welt der gesunden Ernährung kennen: Vegetarismus, Tee, Soja. Rund zwanzig Jahre später übernahm er, zurück daheim in Ebnat-Kappel, die Maschinen einer stillgelegten Teigwarenfabrik. Sein erstes Produkt: Soja-Vollkornteigwaren. In der Zeit der Reform traf er damit einen Nerv. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Jede Schweizerin, jeder Schweizer kennt sie: Die Plastiksäckchen voller Dörrfrüchte, geschmückt mit dem roten Morga-Logo. Die Dörrfrüchte machen rund einen Viertel des Gesamtumsatzes aus. Aber die Produktepalette ist äusserst vielfältig. In Ebnat-Kappel werden in bis zu sieben Abteilungen 1500 aktive Verkaufsartikel in zehn Produktekategorien hergestellt. Laut Geschäftsführer Ruedi Lieberherr ist diese grosse Vielfalt insbesondere im Detailhandel ein Vorteil. «Wir können einem Händler eine ganze Palette von Produkten anbieten. Das wirkt sich positiv auf die Bestellungsrhythmen aus.» Trotzdem ist die Logistik eine grosse Herausforderung. Denn nur die wenigsten Detaillisten führen heute noch ein grosses Lager. Regelmässige und schnelle Lieferungen werden vorausgesetzt. Die entsprechenden Bestellungen werden bereits heute fast ausschliesslich online abgesetzt. «Früher mussten wir am Samstagnachmittag, wenn alle Läden ihre Bestellungen schickten, beim Fax Papier nachlegen», erinnert sich Ruedi Lieberherr. Heute läuft fast alles digital. Die Detaillisten können ihre Wochenbestellung bis Montagmittag online abgeben.

Der Geschäftsführer zeigt den «Rolls-Royce» der Teebeutel: Doppelkammer mit Umhüllung.

«Wer bis Mittag bestellt, hat die Lieferung am nächsten Tag.» Nicht nur das Bestellwesen ist bei der Morga AG online. Privatpersonen können die Produkte auch über einen firmeneigenen Online-Shop beziehen. Besonders bei Fans der Marke ist dieses Angebot beliebt. «Es gibt natürlich Kunden, die ein bestimmtes Produkt favorisieren, es aber nirgends in der Nähe kaufen können», so Ruedi Lieberherr. Dieses Bedürfnis soll der Online-Shop befriedigen. Aber Hauptabnehmer der Morga-Produkte sind nach wie vor Detaillisten und Grosshändler. Zurück beim Teeduft in den Produktionsräumen. Vor den Gästen packt die «IMA C24» gerade Doppelkammer-Teebeutel ab. Was die Maschine kann, steht auf einem grossen Plakat an der Wand. Soll sie Beutel ohne Umhüllung abfüllen, leistet sie 350 Stück pro Minute. Mit Umhüllung sind es noch immer 300. Bereits zu den Zeiten von Ruedi Lieberherrs Grossvater wurden hier Teebeutel mit Maschinen produziert und abgefüllt. Geändert haben sich Geschwindigkeit, Vielfalt und Menge. Heute liefert die Morga pro Jahr bis zu 100 Millionen Doppelkammer-, Pyramiden- und Flachbeutel aus. Sie ist damit eine der letzten Teebeutelproduzenten in der Schweiz. Und die Einzige, die solche Mengen in so hoher Qualität produzieren kann. «Das hier ist der Rolls-Royce», sagt der Geschäftsführer und fischt einen Naturheiltee aus der Produktionsstrasse. In der Hand hält er einen Doppelkammerbeutel mit Umhüllung. Der Vorteil: So bleiben die ätherischen Öle und Aromen im Beutel, bis er fürs Eintauchen in das heisse Wasser geöffnet wird. «Wir produzieren auch Tees, die dem Arzneimittelgesetz unterstehen. Da sind alle Schritte ganz genau vorgeschrieben.» Solche Produkte werden später in den Regalen der Detailhändler nicht zwingend das Morga-Logo tragen. Denn in Ebnat-Kappel werden auch diverse Artikel in Lohnfertigung gegeben. Zu den Kunden gehören nicht nur die grössten Schweizer Detailhandelsketten, sondern auch internationale Abnehmer.

«Dieser Standort bietet uns Vorteile.»

Zwischen 12 und 13 Prozent der Produktion werden ins Ausland exportiert. Die beeindruckende Produktepalette der Morga AG ist Chance und Herausforderung zugleich. Denn sie fordert grösstmögliche Flexibilität. «Wir stellen unserer Produktionsstrassen ständig um. Manchmal wird in grossen Mengen industriell gearbeitet. Manchmal in kleinen Mengen in Handarbeit», erklärt Ruedi Lieberherr. Und dabei geht das Grundprinzip des Nahrungsmittelherstellers nie vergessen: die Qualität. Seit ihrer Gründung steht die Morga AG für gesunde, nährstoffreiche und vegetarische Lebensmittel. Die Treue zu diesen Grundwerten ist der Grundstein für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens. Aber die Globalisierung und der massive Trend hin zu gesunder Ernährung macht die Beschaffung passender Rohstoffe nicht einfacher. «Qualitativ hochwertige Rohstoffe in passenden Mengen zu einem guten Preis zu finden, ist heute eine der grössten Herausforderungen», sagt Ruedi Lieberherr. Ein Vorteil sind dabei die seit Jahren bestehenden guten Kontakte zu internationalen Spediteuren und Händlern. Die Zukunft kann auch Ruedi Lieberherr nicht voraussagen. Aber der Trend zur gesunden und nachhaltigen Ernährung wird sich wohl noch weiter ausbreiten. Und die Morga AG ist in der Lage, dieses Bedürfnis zu stillen. «Dieser Standort bietet uns Vorteile: Hier gibt es noch Industrieland, die Verkehrsinfrastruktur ist gut und die digitale Vernetzung mit dem örtlichen Glasfasernetz ebenfalls.»

Ruedi Lieberherr im neuen Fabrikladen der Morga AG. Er ist jeweils am Donnerstag (9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 18.30 Uhr) und Samstag (9 bis 13 Uhr) geöffnet.

Zahlen


Anzahl Mitarbeitende:
130 (100 Vollzeit)
Verarbeitete Rohstoffe pro Jahr:
700 Tonnen
Aktive Verkaufsartikel:
1500
Produzierte Teebeutel:
100 Mio. Stück
Gründungsjahr:
1930

Zur Person

Der 65-jährige Ruedi Lieberherr ist Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Morga AG. Er führt den traditionellen Nahrungsmittelproduzenten in dritter Generation. Ruedi Lieberherr absolvierte als Erstausbildung eine kaufmännische Lehre. Anschliessend war er einige Jahre ausserhalb des Familienbetriebs tätig und schloss diverse Weiterbildungen ab – unter anderem zum Verkaufsleiter. Im Alter von 34 Jahren fing er bei der Morga AG an. Seit 1996 trägt er die Hauptverantwortung. Trotz seiner Pensionierung will er noch einige Jahre weiterarbeiten. Und dabei seine Nachfolge aufbauen.

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